Johanna in Bordeaux

Ein ganz schön mulmiges Gefühl im Bauch hatte ich dann ja doch, als ich Ende August bei meiner zukünftigen „famille d’accueil“ in Pessac, einem Vorort von Bordeaux, ankam..

Doch die ganzen anfänglichen Zweifel und Ängste waren bald wie weggefegt…

Erstmal hieß es nun, sich in einer völlig neuen Umgebung einzuleben, um das richtige Leben in Frankreich kennen lernen zu können…

Zuerst wurde ich von der versammelten Familie begrüßt: da waren meine Gasteltern, Charlotte (14) und Cyril (10) – sogar die Oma war zur Feier des Tages angereist. :-)

Nachträglich gesehen, kommt mir diese ganze Anfangsphase vor, als hätte ich sie nur geträumt…Alles war so neu, unbekannt und aufregend...

Nachdem ich dann mein Zimmer bezogen hatte, wurde mir mein künftiges Aufgabengebiet erklärt: neben haushalts-technischen Tätigkeiten wie Bügeln, Waschen und Kochen (musste ich im Vergleich zu anderen AuPair-Freundinnen relativ viel – ein- bis zweimal täglich) sollte ich außerdem Cyril zur Schule begleiten, ihn von dort abends wieder abholen, anschließend mit ihm Hausaufgaben machen (hört sich leichter an, als es manchmal ist!!) und dann noch zu den jeweiligen Aktivitäten begleiten (da die Kids in Frankreich ja bis ca. 17h Schule haben, bleibt ihnen also erst abends Zeit für Sport- oder Musikkurse) bzw. auch wieder abholen.

Ich hatte mich zwar streng genommen um zwei AuPair-Kinder zu kümmern, Charlotte war aufgrund ihres Alters aber doch schon relativ selbständig – für sie war ich dann so etwas wie eine große Schwester – auch ein schönes Gefühl. :-)

Die meiste Zeit habe ich jedoch mit Cyril verbracht – zum Glück verstanden wir uns von Anfang an sehr gut – dank seiner zu Beginn unermüdlichen Worterklärungen und Verbesserungen habe ich mich in den ersten Wochen sprachlich sehr verbessert!

Zum Erstaunen aller (auch meiner selbst :-)) habe ich mich sehr schnell in meiner neuen Umgebung zurechtgefunden – bald wusste ich mir meine Aufgaben so einzuteilen, dass auch noch genügend Zeit für andere Dinge blieb (davon gab’s ja schließlich auch jede Menge).

Nach ca. einer Woche fing dann ein weiterer „Ernst des AuPair-Lebens“ an: meine erste Unterrichtsstunde in der Sprachschule.

Für alle AuPairs auf jeden Fall ein unverzichtbares Element – neben dem superschnellen Kontakt zu andern AuPairs (es tut einfach gut, sich mit Mädels / Jungs, die in der gleichen Situation sind, über alles mögliche, was eben gerade anfällt, austauschen zu können!) bringt es natürlich auch für das sprachliche Weiterkommen jede Menge Vorteile!

Nach 11 Monaten mal mehr, mal weniger intensivem Unterricht habe ich mich als eine der wenigen dazu entschlossen, ein Abschlussdiplom, das D.A.L.F., zu absolvieren, welches mir sehr gute Kenntnisse in Französisch bescheinigt und mir sicher auch später noch mal von Nutzen sein wird. Auch hierzu kann ich euch allen nur raten – oft wird ein AuPair-Aufenthalt nämlich misstrauisch beäugt, mit einem handfesten Diplom am Ende ist dieser ganzen Sache schnell ein Ende gesetzt.

Ein weiterer Faktor, der dazu beigetragen hat, dass ich mein AuPair-Jahr heute als „das beste meines bisherigen Lebens“ bezeichne, ist, dass ich neben meiner neuen „Heimatstadt“ auch viele andere, wunderschöne Ecken Frankreichs entdecken durfte.

Auf Wochenendexkursionen oder Ferienaufenthalten mit oder ohne Familie ging’s nach Marseille zu den Großeltern, in die „Hautes Pyrénées“ zum Skifahren, in diverse, mehr oder weniger weit entfernte Städte zum Sightseeing, auf Weinfeste in entlegene Dörfer, zum Chillen in die „Campagne“ oder auch sehr oft an die Atlantikküste (vor allem im Sommer wurden dort ganze Wochenenden am Strand verbracht..) – dazu rate ich auch allen angehenden AuPairs: versucht, soviel wie möglich von eurem Aufenthalt im Ausland mitzunehmen, nutzt jede Gelegenheit, zu reisen, neue Orte zu entdecken, euren Horizont und eure Ideen von eurem Gastland zu erweitern..

Ich hatte z.B. relativ viele französische Freunde, was auch stark zu meinen Sprachfortschritten beigetragen hat – hängt nicht nur ein Jahr lang mit anderen deutschsprachigen Au-Pairs ab, lernt „echte“ Landsleute kennen, so könnt ihr viel besser in die jeweilige Kultur des Landes eintauchen... Es mag anfangs etwas schwierig sein, solche Kontakte zu knüpfen, aber nicht aufgeben, am Ende werdet ihr belohnt :-)

All die Erfahrungen, die ich so mit der französischen Ess- oder Musikkultur, den landestypischen Gebräuchen und Gewohnheiten oder auch einfach nur dem „Frankreich de tous les jours“ machen durfte, hätte ich nie gemacht, wäre ich immer nur mit anderen, „ausländischen“ AuPairs zusammen gewesen...

Die Zeit meines Aufenthalts verging auf jeden Fall wie im Flug – bis auf einen weihnachtlichen Deutschland-Besuch war 11 Monate lang „Frankreich zu 100%“ angesagt :-)

Im Juli hieß es dann schweren Herzens Abschied nehmen. Nicht nur von meiner sehr liebgewonnenen „famille d’accueil“ (mit der ich doch trotz gelegentlichen Unstimmigkeiten, die wohl in jeder AuPair-Familie dazugehören ;-)), sondern auch von Freunden, Sprachschule, typisch französischen Essen (woher kommt nur mein immer noch bestehendes Faible für Ziegenkäse?!) oder landestypischen Gewohnheiten, die einem nach so langer Zeit selber zur Gewohnheit wurden… All dies fiel mir unheimlich schwer, selbst nach meiner Rückkehr nach Deutschland hatte ich noch wochenlang „Heimweh“, welchem ich einfach nicht nachgeben konnte und dann noch mal für einen wunderschönen Urlaubsmonat nach Bordeaux zurückkehrte…

Mittlerweile habe ich mein Studium der „études franco-allemandes“ begonnen, manchmal scheint mir im Uni-Alltag mein AuPair-Jahr schon so unheimlich lange her zu sein…

Trotz alledem hat mich dieser Auslandsaufenthalt sehr stark geprägt, manchmal habe ich das Gefühl, diesem Land einfach „verfallen“ zu sein :-)

Ich wünsche Euch allen, dass ihr einen mindestens genauso schönen AuPair-Aufenthalt haben werdet und hoffe, ihr werdet genauso viele bereichernde, schöne und wichtige Erfahrungen machen wie ich…

Für Fragen könnt ihr mir gerne mailen: petite_fleur_bdx@hotmail.fr