Katharina in Dublin

Im August hieß es für mich für sechs ein halb Monate Auf Wiedersehen Deutschland und Herzlich Willkommen Irland.

Meine Gastfamilie bestand (laut zugeschicktem Profil) aus Vater, Mutter und drei Mädels im Alter von neun Monaten, drei und fünf Jahren. Doch schon vor meinem Abflug sorgte meine Gastmutter für eine kleine Überraschung, als sie mir eine E-Mail schrieb und eröffnete, dass sie erneut schwanger sei. Komischerweise dachte sie, diese kleine Veränderung würde meine Meinung zu kommen ändern, doch für mich stand von vornherein fest: Ich muss auf jeden Fall solange bleiben bis das Baby da ist!

In Irland angekommen hatte ich irgendwie sofort einen super Draht zu meiner Gastmutter. Schon während der Fahrt nach Hause haben wir uns über Gott und die Welt unterhalten und ich war überrascht wie wenig Schwierigkeiten ich hatte sie zu verstehen.

Ich hatte das Glück, dass noch Sommerferien waren als ich ankam, denn so hatte ich vier Wochen Zeit in Ruhe die Kinder kennenzulernen und in den Alltag hineinzukommen. Am ersten Morgen waren die zwei 'Großen' erst etwas schüchtern mir gegenüber (ich ihnen gegenüber aber vermutlich auch ;) ), doch ehe ich mich versah hatte ich schon eine Runde geknetet, drei PeppaPig Puzzles gemacht, mit Wasserfarben gemalt und mir wurde gezeigt wie man richtig Trampolin springt. Ich wurde also sehr schnell von den Mädels angenommen und als neue Spielgefährtin akzeptiert.

Die Ferien waren noch sehr entspannt und wir haben viele Ausflüge in den Zoo und in umliegende Parks gemacht, doch mit Schulbeginn änderte sich das ein wenig. Die beiden Großen gingen in die Grund- bzw. Vorschule und somit hieß es für mich um 7.30 Uhr unten sein und das Frühstück Zuhause und für die Schule vorbereiten. Während meine Gastmutter die Mädels dann weggebracht hat habe ich mich um die Kleinste gekümmert und ihr ihr Frühstück gegeben. Manchmal war ich den ganzen Morgen mit ihr alleine, weil meine Gastmutter einige Dinge zu erledigen hatte, manchmal hatten wir aber auch einfach schöne entspannte und vor allen Dingen ruhige Morgen zu dritt. Zu Beginn sollte ich nur montags und dienstags kochen, da meine Gastmutter an den Tagen mittags unterwegs war und die Mädels zum Ballett gebracht hat oder die Älteste von ihrer Theater-AG abholen musste. Mit der Zeit haben ich aber auch öfter Essen gemacht und entgegen aller Vorwarnungen, dass das irische Essen furchtbar sei konnte ich mich wirklich nie beschweren und habe sogar einige neue Lieblingsrezepte nach Hause gebracht. Wenn nachmittags dann neben den Hausaufgaben noch genug Zeit war habe ich mit den Kindern gespielt oder gebacken. Relativ spät erst habe ich zufällig raus gefunden, dass die Straße rauf noch ein anderes Au Pair wohnt, das zwei Jungs und ein Mädchen im gleichen Alter wie meine Mädels hatte. Da wir alle gut miteinander auskamen haben wir angefangen regelmäßig einmal die Woche ein sogenanntes Playdate zu planen. Die Kids hatten Spaß, die Au Pairs konnten mal eine Runde quatschen und die Gastmütter hatten einen ruhigen Nachmittag für sich.

Generell hatte ich viel Freizeit, um mich mit anderen Au Pairs zu treffen. Die ersten Monate habe ich fast jedes Wochenende einen Tagesausflug gemacht. Durch Facebook hatte ich schon vor meinem Abflug ein anderes deutsches Au Pair kennengelernt mit der ich total auf einer Wellenlinie war und wir sind gemeinsam nach Cork, Galway, Belfast, Howth,Bray und Malahide, Glendalough und zu den Cliffs of Moher gefahren. Unsere Gasteltern waren immer sehr kooperativ und haben uns freigegeben, auch wenn ich samstags morgens eigentlich auf die Kleine aufpassen sollte, während der Rest beim Kinderschwimmunterricht war. Von Dublin aus hat man super viele Möglichkeiten per Bus zu einem guten Preis das Land in alle Himmelsrichtungen zu erkunden. Auch Dublin selber bietet besonders mit den äußeren Stadtteilen am Meer schon genug Möglichkeiten für Ausflüge. Es war toll am Wochenende mal etwas rauszukommen und die Landschaften Irlands zu erkunden, denn sie sind in Wirklichkeit noch viel schöner und beeindruckender als in den Reiseführern.

Auch durch meine Familie bin ich etwas rumgekommen, denn ich durfte zu allen Ausflügen die sie am Wochenende gemacht haben mitkommen. Meistens ging es zu Oma und Opa oder Familientreffen, sodass ich nach relativ kurzer Zeit schon alle Familienmitglieder mütterlicher- und väterlicherseits kennengelernt hatte und auch von allen einmal eingeladen worden war sie doch mal Zuhause (sie wohnten alle verstreut in ganz Irland) zu besuchen. Eine gute Freundin meiner Gastmutter hatte mir auch gleich zu Anfang ein Treffen mit ihrer Nichte ausgemacht, damit ich mit ihr in Kilkenny (die Partyhauptstadt Irlands) mal das irische Nachtleben erkunden konnte. Am Anfang dachte ich es ist echt verrückt da mitzumachen aber im Nachhinein hätte ich mich geärgert, wenn ich nicht zugesagt hätte!

Gegen Ende Januar wurde es dann noch einmal spannend, denn am 24. Januar war der errechnete Geburtstermin. Tatsächlich und entgegen aller Erwartungen kam das Baby auch genau an diesem Tag. Es war, wie wir alle irgendwie erwartet hatten, noch ein Mädchen. Gut zwei Wochen rund um die Geburt habe ich dann mit meinem Gastvater zusammen den Haushalt geschmissen. Es war total spannend so eine Schwangerschaft mal als 'Zuschauer' miterleben zu dürfen. Da meine Gastmutter ja quasi schon Vollprofi war, hat sie mir unglaublich viel über das 'Kinder-kriegen' und Kindererziehung erzählen können, sodass ich jetzt bestens für die Zukunft gewappnet bin ;)

Alles in allem hat meine Gastfamilie ihr Versprechen, dass sie auf mich aufpassen und ich ein Teil ihrer Familie werde, eingehalten. Es fiel mir in der letzten Woche wirklich sehr schwer manche Dinge zum letzten Mal zu machen und auch der Abschied war gerade für meine Gastmutter und mich nicht so einfach. Spätestens als die 3-Jährige mit ihrer kindlichen Unschuld meinte 'Wieso weinst du denn Mama?! Katharina kommt uns doch eh bald wieder nach Irland um uns zu besuchen!' sind alle Dämme gebrochen. Ich habe ihnen versprochen mich regelmäßig zu melden und auf jeden Fall mal zu Besuch zu kommen. Ich möchte unglaublich gerne wissen, wie sich alle vier Mädels entwickeln und ich habe der Ältesten auch schon versprochen, wenn sie möchte, kann sie gerne später mal mein Au Pair werden ;)