Miriam in Tomball,Texas

Am 21. Juni war es soweit- ich war auf dem Weg nach Texas. Zuerst jedoch hatten wir alle einen Zwischenstopp in New York, um den einwöchigen Workshop zu absolvieren. Die Woche in New York ging ziemlich schnell rum. Die meisten Au Pairs aus meinem Workshop kamen aus Frankreich, allerdings hatte ich am Frankfurter Flughafen eine Gießenerin kennengelernt und wir haben uns auf Anhieb sofort verstanden. Nach einer Woche hieß es nun wieder Trennung ist angesagt- Sie zur Ihrer Gastfamilie nach Atlanta und ich nach Texas.

Mein Gastvater Drew hatte mich nach einem langen Flug abgeholt- nun saß ich also in einem fremden Land mit einer fremden Kultur und ohne Freunde und Familie. Mein Flugzeug landete ziemlich spät also habe ich am Abend meiner Ankunft nur meine Gastmama und die Hunde kennengelernt. Mein Zimmer war sehr schön hergerichtet mit ein paar Blumen und einem Gastgeschenk.

Am nächsten Tag war Samstag und ich konnte erst mal ausschlafen, allerdings war ich so nervös meine Kleinen kennen zu lernen dass ich gar nicht schlafen konnte. Die erste Begegnung mit meiner 3-Jährigen Kooper war relativ entspannt. Sie zeigte mir ganz cool und voller Stolz Ihr Barbie Haus und die dazu gehörigen Kostüme in Ihrem Spielzimmer. Nachdem wir eine Stunde miteinander gespielt hatten war das Eis auch gebrochen. Mein zweites Mädchen, für das ich das Jahr verantwortlich sein sollte war etwas ganz anderes. Dylan war 5 Wochen alt, als ich nach Texas kam. Ich habe vorher schon mit Kleinstkindern gearbeitet, aber dennoch hatte ich am Anfang ziemliche Berührungsängste. Dylan war so klein und wirkte so zerbrechlich auf mich. In diesem Moment dachte ich wirklich:“ Oh mein Gott Miriam worauf hast du dich eingelassen?!“

Gott sei Dank war das alte Au Pair, welche seit anderthalb Jahren dort gelebt hatte noch für eine Woche mit dabei. Ozzy und ich haben uns von Anfang an gut verstanden. Es war praktisch Liebe auf den ersten Blick. Sie hat mir die Angst genommen mit den zwei Kleinen zu arbeiten und in ihr hatte ich auch immer einen Ansprechpartner, wenn das Heimweh oder der Liebeskummer zu groß waren. Die ersten paar Wochen in Texas waren nicht immer einfach, da man in einer fremden Kultur ist, eine fremde Sprache um sich hat und zudem keine Freunde hat. Dieser Zustand hat allerdings nur ein paar Wochen angehalten. Meine Gastmutter und Ozzy, das alte Au-pair, haben mich vielen Leuten vorgestellt. Die meisten waren Nachbarn aus unserer Gegend. Unter den Nachbarn war auch die Thornton Familie, zu der die 26 jährige Tochter Trina gehörte. Trina lebte noch bei Ihren Eltern und schwupp di wupp hatte ich eine neue und wie ich nun weiß beste Freundin gefunden. Trina habe ich zu verdanken das ich die beste Zeit meines Lebens in Texas hatte. Sie hat mir nicht nur die schönsten Städte von Texas gezeigt, sondern auch den Fremdenführer in Houston und Umgebung gemacht. Sie brachte mir den 2 Step bei und war eine geduldige Beraterin bei meinem ersten paar Boots, die ich mir gekauft habe. In Ihrer Familie war ich schon als dritte Tochter adoptiert worden. Ich habe so ein inniges Verhältnis zu Ihrem Vater aufgebaut das ich ihn sogar Daddy nennen darf. Ich konnte kommen und gehen wann ich wollte und der Besuch nächstes Jahr in meiner Heimatstadt ist schon so gut wie geplant und gebucht. Ich bin jetzt seit knapp 2 Wochen wieder in Good Old Germany und ich muss sagen mir fehlt Texas. Mir fehlt es das mich die Frauen und Männer mit yes ma’am ansprechen und dass “ Everything is bigger in Texas „ ist. Mir fehlt die Herzlichkeit der Texaner.

Rückblickend kann ich jedem nur sagen, dass ich die Zeit meines Lebens in Texas hatte. Ich habe nicht nur Texas kennengelernt, sondern hatte auch die Möglichkeit die USA zu bereisen. Ich habe Austin, Pensecola, Miami, Los Angeles, Galveston, Venice Beach, Atlanta und sogar Cayman Island, Jamaica und Cozumel gesehen. Ich bin mit Delphinen geschwommen und am schönsten Strand der Welt entlang geritten. Ich habe den elektrischen Bullen bestiegen und den 4th of July traditionell am Lake Haus erlebt. Ich habe wunderschöne Live Konzerte gesehen und Road Trips mit anderen Au Pairs unternommen. Ich habe Menschen aus anderen Kulturen kennenlernen dürfen und durfte das College im Abendstudium besuchen.

Ich bin nun stolze Besitzerin einer Texas Driver license und konnte erleben, wie es sich anfühlt, wenn man das erste Lächeln, Kopf heben, krabbeln und gehen von einem Kleinstkind miterlebt. Ich bin glücklich und bereue keine Sekunde diese Entscheidung letztes Jahr getroffen zu haben. Es war nicht immer einfach und es gab auch viele Tränen, da man seine Liebsten daheim vermisst, aber ich muss sagen: This was the year of my live and I don’t regret any second.