Ramona in Newtown Square,Pennsylvania

Von der Kleinstadt in die große, weite Welt

Vorbereitungen:
Ich hatte mich im Oktober als Au Pair in der USA bei iSt Internationale Sprach- und Studienreisen GmbH beworben und dann eine Woche später schon einen Termin für ein Vorstellungsgespräch in Nürnberg bekommen. Kurze Zeit darauf erhielt ich die freudige Nachricht, dass ich als Au Pair geeignet bin und nun meine Bewerbungsunterlagen ausfüllen und innerhalb von sechs Wochen an iSt zurückschicken kann.

Dann hieß es erst einmal warten! Im Februar hatte mich dann schließlich die erste Gastfamilie angerufen. Aus Connecticut kamen sie und hatten zwei Kinder im Alter von vier Jahren und fünf Monaten. Natürlich war ich beim Telefongespräch schon ganz schön aufgeregt, aber ich wollte doch noch nicht gleich sofort eine Entscheidung treffen. Gleich einen Tag später rief mich dann eine weitere Familie aus Pennsylvania an, die zwei Jungs im Alter von zwei und vier Jahren hatte. Bei diesem Gespräch hatte ich gleich ein richtiges Kribbeln im Bauch und wusste sofort, dass ich mein Jahr als Au Pair bei dieser Familie verbringen möchte (ein ausschlaggebender Punkt war u.a., dass der Altersunterschied der Kinder nicht so groß ist und es somit leichter fällt gemeinsam Spiele zu spielen). Leider blieb mir dann doch noch die unangenehme Aufgabe der anderen Familie eine Absage zu erteilen...
Doch danach habe ich mich dann schon richtig auf mein im Juli beginnendes Au Pair-Jahr gefreut! Sowohl durch das Vorbereitungsseminar von iSt, als auch durch das Buch „Au Pair USA“ von Yvonne Kirner konnte ich mir dann doch schon ein bisschen besser vorstellen, was wohl so auf mich zukommen könnte.

Abflug:
Im Juli flog ich dann nach New York. Natürlich gab es am Flughafen noch einige „tsunamiartige Tränen“, aber sobald ich mal im Flugzeug saß, konnte das Abenteuer Au Pair beginnen!
Zunächst war natürlich erst eine Woche Vorbereitungsseminar in New York angesagt. Dort konnte man sich mit anderen Au Pairs austauschen, Wichtiges (z.B. über Erste Hilfe an Kindern) dazulernen und sich natürlich schon die berühmten Sehenswürdigkeiten der Stadt New York ansehen.

Erste Begegnung mit der Gastfamilie:
Am Freitag war es dann soweit: per Bus ging es nach Philadelphia, wo mich meine Gastmama mit den Kindern und dem vorherigen Au Pair am Flughafen abholte. Bei der ersten Begegnung war ich schon ganz schön aufgeregt, aber meine Gastfamilie empfing mich ganz freundlich mit einem Blumenstrauß und einem „Welcome Ramona“-Schild (welches übrigens noch bis heute an meiner Zimmertür hängt ?).

Am ersten Wochenende hatten wir dann Zeit uns gegenseitig kennenzulernen. Dazu hatte meine Gastmama einen Ausflug in den Botanischen Garten und in einen kleinen Freizeitpark geplant.

Erste Arbeitswoche:
Montags war dann mein erster Arbeitstag, wo mir mein Gastpapa noch zeigte wie alles funktioniert. Ab Mittwoch habe ich mich dann aber ganz alleine um meine Gastkinder gekümmert. Das lief aber auch schon ganz gut. Sprachprobleme hatte ich eigentlich keine; nach zehn Jahren Englischunterricht in der Schule sollte dies auch nicht der Fall sein. Der vierjährige Kevin versuchte immer, mir so gut es ging behilflich zu sein - ganz wie der Papa eben! Bevor ich mich versah, war dann schon meine erste Arbeitswoche um und ich konnte sagen, dass ich mich eigentlich schon richtig wohl fühlte bei meiner neuen „Familie für ein Jahr“.

Mein Jahr als Aupair:
Im Sommer konnte ich dank des tollen Wetters mit meinen Kindern ziemlich viel Zeit in ihrem Garten und im Pool verbringen. Ich hatte das Glück in einer Familie zu leben, die mich als Familienmitglied und nicht nur als Angestellte sah und mich deshalb auch zu den Familienurlauben mitnahm. Anfang September verbrachten wir dann eine Woche in Disneyworld in Florida, wo wir alle trotz der Hitze sehr viel Spaß hatten.

Ab Herbst ging Kevin dann auch dreimal in der Woche nachmittags in die Pre-school. Dadurch blieb mir dann während Tyler‘s Mittagsschlaf immer ein bisschen Zeit für mich, die ich nutzte, um z.B. auf der Treadmill(=Laufband) im Keller zu laufen. An Tagen, an denen Kevin keine Pre-school hatte, bin ich mit den Kindern z.B. für eine Stunde in die Bücherei gefahren. Dort wurden dann – kostenlos! – sog. „Storytimes“ angeboten. Diese setzten sich zusammen aus Geschichten, Fingerspielen, Kindertänzen, einer kleinen Bastelei und 15 Minuten freiem Spielen mit von der Bücherei gestellten Spielsachen.

Auch für mich ging es ab Herbst immer zwei mal wöchentlich abends aufs College; zuerst belegte ich einen Kurs für Aussprache und im Frühjahr dann einen Vorbereitungskurs für den TOEFL-Test (=Test of English as a Second Language).

In meiner Freizeit habe ich mich mit anderen Au Pairs bei Starbucks getroffen, bin ins Kino gegangen, zum Shoppen oder ins YMCA, wo für jeden Sportler etwas angeboten wird.

Natürlich lernt man als Au Pair auch amerikanische Bräuche kennen und erlebt Feiern wie Halloween, Thanksgiving, Weihnachten oder Ostern hautnah mit. Dies war für mich sehr interessant, da vor allem Halloween und Thanksgiving in Deutschland ja so nicht gefeiert werden.

Aber auch die Weihnachtsvorbereitungen, die sich bei meiner Gastfamilie über den ganzen Dezember erstreckten, sowie der Weihnachtsmorgen am 25. Dezember waren für mich sehr schön(nicht zuletzt, weil Kevin schon um ca. 6.30 Uhr in mein Zimmer kam, um mich aufzuwecken, weil „Santa“ ja Geschenke gebracht hat?

Im März hatte ich mir dann eine Woche Urlaub genommen, da mich mein Papa aus Deutschland besuchen wollte. Mit ihm zusammen habe ich mir dann noch einmal New York, Washington, D.C. und Philadelphia angesehen. Aber auch meine Gastfamilie nahm mich noch bei zwei weiteren Urlauben mit: einmal ging es auf die Karibikinsel Turcs and Caicos und einmal an die Niagarafälle!
Leider war das Jahr dann doch viel schneller um, als zuvor gedacht. Im Juli holten wir dann gemeinsam schon das nächste Au Pair ab, das übrigens auch aus Deutschland kommt.

Meine Gastfamilie überraschte mich dann noch mit einer kleinen Abschiedsparty, bevor ich mir in meinem 13. Reisemonat auf eigene Faust noch in einer Rundreise Chicago, sowie Californien angesehen habe. Danach kehrte ich noch einmal für ein paar Tage zu meiner Gastfamilie zurück, bevor ich mich Anfang August endgültig verabschieden musste, was nach einem Jahr des Zusammenlebens gar nicht so einfach ist!

Doch meine Familie in Deutschland erwartete mich auch schon sehnsüchtig am Flughafen und mit diesem Gedanken im Hinterkopf fiel mir der Abschied von meiner Gastfamilie nicht ganz so schwer(schließlich kann ich sie ja jederzeit besuchen).

Für mich war das Jahr als Au Pair in Amerika eine einmalige Erfahrung, bei der man nicht nur lernt selbständiger zu werden, sondern auch lernt offener auf fremde Menschen zuzugehen. Ich habe meine amerikanische Familie sehr ins Herz geschlossen und werde sie in Deutschland sicherlich vermissen. Es war besonders beeindruckend zu sehen, wie schnell sich die Kinder entwickelt haben. Bei meiner Ankunft konnte Kevin z. B. noch nicht schwimmen und Tyler kannte erst wenige Worte. Im Verlauf eines Jahres half ich Kevin dann schwimmen und lesen zu lernen und brachte Tyler bei aufs „Töpfchen“ zu gehen. Beim Abendessen erzählte Tyler meinen Gasteltern am Ende jeden Tag, was wir denn gemacht haben (und vergaß dabei manchmal völlig das Essen).


Ich kann das Au Pair-Jahr jedem weiterempfehlen; besonders, wenn man sich vielleicht noch nicht entschieden hat, was man nach der Schule machen möchte. Zukünftigen Au Pairs möchte ich noch als Rat mit auf den Weg geben, dass man sich darüber im Klaren sein sollte, dass man sich an eine andere Kultur anpassen muss und um Enttäuschungen oder auch Heimweh zu vermeiden, sollte man sich seine Gastfamilie sorgfältig heraussuchen.

Ramona Adolph 
Ramona.Adolph(at)gmx.de