Lisa in Wellington

Meine Erfahrungen als Demi Pair in Neuseeland

Meine Entscheidung ins Ausland zu gehen stand nicht seit Langem fest, sondern es war vielmehr ein spontaner Gedanke. Ich konnte mir nie vorstellen mehr als 4 Wochen ohne Familie und Freunde zu verbringen. Trotzdem begann ich damit, mich über die verschiedensten Möglichkeiten zu informieren, was man denn nach der Schule machen könnte, um die Zeit zwischen Abitur und Studium möglichst effizient zu nutzen. Nachdem ich mich ausgiebig schlau gemacht hatte war mir klar: Ich möchte nach Neuseeland.

Ein halbes Jahr vor meiner geplanten Abreise hatte ich meine Bewerbung ziemlich schnell fertig gestellt und abgeschickt. Ich war unfassbar überrascht, als ich bereits drei Wochen später eine Anfrage von einer netten Familie bekam, die mich gerne bei sich aufnehmen wollte. Nach einem schönen Gespräch via Skype sagte ich ihnen auch zu. Ich war so euphorisch, doch einen Monat vor meiner Abreise gab es für mich einen Schock, denn die Familie sagte mir aus persönlichen Gründen ab. Ich war enttäuscht, hatte aber auch großen Bammel, da ich nun keinen Anhaltspunkt mehr hatte, wo mich meine Reise ans andere Ende der Welt hin verschlagen würde. Zum Glück hatten die Bemühungen der Mitarbeiter von iSt dazu geführt, dass  ich eine Woche vor meinem Abflug eine neue Gastfamilie vorgestellt bekam, in der ich tatsächlich die nächsten sechs Monate verbringen sollte.

Meine Gastfamilie setzte sich neben den beiden Eltern zusammen, aus Gaia (9) und Nico (7) und nicht zu vergessen dem Hund Buddy. Ich war bei der ersten Begegnung sehr schüchtern, was nicht gerade wenig an meinem bis dato wirklich schlechten Englisch lag. Doch ich hatte keinen Grund zur Panik, denn was auf meine Familie zutraf, lässt sich im Allgemeinen über alle Neuseeländer sagen: Die Menschen sind unfassbar freundlich, herzlich und offen. Es ist nicht untypisch, von einem vollkommen fremden Menschen in ein Gespräch über Gott und die Welt verwickelt zu werden, ohne sich danach wieder zu sehen.

Die ersten Tage in Neuseeland waren total aufregend, denn alles was ich sah, war komplett neu für mich. Durch meine Familie lernte ich direkt andere einheimische Familien kennen, die ebenfalls ein „Demi“ bei sich hatten. Auch nahm mich mein Gastvater zu ersten Führungen durch das liebenswerte Wellington mit, wodurch ich einen guten Eindruck über den Lebensstil der Neuseeländer bekam. Selbst ein Ausflug zu einem der riesigen Supermärkte wurde so zu einem echten Erlebnis. Neben der vielen Freizeit hatte ich natürlich auch ein paar Aufgaben in meinem neuen Zuhause zu erledigen, denn schließlich hatte die Familie mich unter anderem deswegen zu sich geholt. Meine Aufgaben im Haushalt waren vergleichbar mit den Hausarbeiten, die man meist auch bei sich zu Hause erledigen muss, wie  Geschirr spülen, Staubsaugen oder die Wäsche aufhängen. Zusätzlich ging  ich 2 Mal täglich mit dem Hund Gassi, was ich immer sehr genossen und nicht als Arbeit angesehen hatte. Ich wohnte weniger als 5 Gehminuten vom Strand entfernt, an dem man herrlich spazieren gehen konnte. Das ist für Wellington nicht außergewöhnlich, denn fast jede Familie wohnt entweder nah zu einem Strand oder hat von einem Berg aus traumhafte Aussicht auf das Meer.

Nach einer Woche in Aotearoa – dem Land der langen, weißen Wolke – war der erste Tag in der Sprachschule gekommen. Das Campbell Institute liegt zentral in der Innenstadt und ist von den Vororten Wellingtons je nach Lage mit dem Bus in 15 – 50 Minuten erreichbar. Ich persönlich hatte eine Fahrzeit von 35 Minuten, was ich nicht als störend empfand. Der Bus fuhr die längste Zeit der Fahrt an der Küste entlang, wodurch ich immer damit beschäftigt war, mich an der atemberaubenden Landschaft satt zu sehen - was mir übrigens bis heute nicht gelungen ist.

Während der ersten Woche in der Schule findet die s.g. Orientation Week statt, in der man mit anderen Demis von einer sehr netten Frau alles Wissenswerte rund um das Leben als Demi Pair erklärt bekommt. Mit ihrer Hilfe werden wichtige Themen wie z.B. einen Bank Account eröffnen oder eine SIM-Karte bekommen gemeinsam erledigt. In ihr hat man auch über den gesamten Aufenthalt hin stets einen kompetenten Ansprechpartner.

In der darauffolgenden Woche fing der Unterricht und somit auch der Alltag an. Unter der Woche stand ich um sieben Uhr auf, brachte mit dem Hund die Kinder zu Schule und machte mich gegen halb neun selbst auf den Weg  in die Innenstadt. Offiziell begann die Schulstunde um 9:30, jedoch war es immer schön etwas früher dort zu sein, da man so Zeit hatte, sich in Ruhe mit den Mitschülern zu unterhalten und Kontakte zu knüpfen. Es lässt sich bereits vorweg nehmen, dass die Schule eine enorme Hilfe ist, schnell Menschen kennen zu lernen. Etwas schade ist aber, dass so viele deutsche Demis - vor allem in der Sommerzeit in Neuseeland - dort sind, wodurch die englische Sprache auf der Strecke bleibt, weil man oft dazu zeigt nur Deutsch zu reden. Da ich im Winter in Neuseeland war, gab es gegen Ende meiner Schulzeit nur noch zwei Deutsche mit mir. Stattdessen war das Campbell Institute voll mit Menschen aus aller Welt, hauptsächlich aus Saudi-Arabien, Frankreich und asiatischen Ländern. Der Unterricht selbst ist informativ und lehrreich, jedoch nicht total streng gehalten. Man spricht jeden Lehrer mit Vornamen an und hat dadurch stets ein familiäres Gefühl. Trotzdem gibt es je nach Kurs eine unterschiedliche Menge an Hausaufgaben zu erledigen. Ich besuchte für 5 Monate den IELTS Kurs, in dem man sehr gut auf den bekannten Englischtest vorbereitet wird. Ein Aspekt, der mir allerdings vorher nicht bewusst war, ist, dass der Test selbst noch nicht im Preis für die Schule mit inbegriffen ist, sondern zusätzliche 380 $ bezahlt werden müssen. Zwar ist es keine Pflicht diesen Test zu machen, allerdings war es mir nach dieser langen Zeit in der Schule wichtig ein anerkanntes Zertifikat über meine Englischkenntnisse mit nach Deutschland zu bringen, weshalb ich an dem IELTS  Exam teilnahm.

Man braucht wirklich keine Angst davor zu haben, niemanden kennen zu lernen und in der kurzen Zeit in Neuseeland keine Freundschaften zu schließen, denn durch die Schule findet man so schnell Anschluss. Es ist äußerst selten, dass jemand neu in die Schule kommt und bereits jemanden vorher kennt. Stattdessen ist es die Normalität, niemanden zu kennen, was aber überhaupt nicht schlimm ist, da man schnell aufgenommen wird. Auch ich habe in den ersten Wochen viele Kontakte geknüpft. Mit meinen frisch gewonnen Freunden habe ich oft die Zeit nach der Schule und am Wochenende verbracht. So sind wir an die „Waterfront“ gegangen, um am Meer zu entspannen, sind mit der Cable Car Bahn gefahren , haben eines der vielen verschiedenen Cafés besucht oder auch mal in einem Museum vorbeigeschaut, die alle kostenlosen Eintritt haben. Für den ein oder anderen mag es interessant sein zu wissen, dass man in Wellington auch gut feiern gehen kann. Alle Clubs liegen in der Innenstadt in einer Straße und sind auch nachts gut erreichbar. Und das Beste ist: Auch hier ist der Eintritt kostenlos.

Der Alltag in Neuseeland hat mir unglaublich gut gefallen, dennoch ist es absolut empfehlenswert durch Kurztrips übers Wochenende etwas Abwechslung zu bekommen. In Neuseeland kann man Autos grundsätzlich ab 21 Jahren mieten, wobei es bei vereinzelten, ebenfalls seriösen Anbietern auch schon ab 18 Jahren möglich ist. Da Wellington im Süden der Nordinsel liegt, lässt sich von hier aus sowohl die Südinsel wie auch der Norden gut erkunden. So war eines meiner persönlichen Highlights der Wochenendtrip nach Kaikoura auf der Südinsel, wo ich mit freilebenden Delfinen im Meer geschwommen bin. Auch war ich total begeistert vom Skydive in Taupo, der mich nach wie vor über beide Ohren strahlen lässt.  

An diesem Erfahrungsbericht, der nun etwas länger geworden ist als es geplant war, lässt sich hoffentlich herauslesen, dass ich mich total in Neuseeland verliebt habe. Das Land glänzt mit seiner wunderschönen Landschaft, der interessanten Kultur und den liebenswerten Menschen. Bei so viel Charme habe selbst ich es verkraftet, für ein halbes Jahr auf das „German Bread“ zu verzichten, das man dort meist vergeblich sucht. Obwohl ich schon ein paar Monate wieder zurück bin, stehe ich immer noch in Kontakt mit meiner Gastfamilie und mit Freunden aus der Sprachschule. Die Erinnerungen, die ich dort gesammelt habe, werde ich niemals vergessen und ich kann jedem Menschen einen Auslandsaufenthalt nur empfehlen – am besten in Wellington in Neuseeland. :-)